Vernissage am 29. November 2003 - Kunst für eine Blasmusik 
Vorschau von Ueli Daepp im Anzeiger vom Dienstag, 18. November 2003

Die Stadtharmonie Eintracht Rorschach hat ausgemistet. Hat sich getrennt vom alten Musikmaterial. Jetzt gestalten Kunstschaffende damit Skulpturen.

Jonny Müller ist beschäftigt, einen Pinsel im Mund, einen zweiten in der Hand. Er bemerkt uns nicht, wie wir ihn beobachten durchs Fenster. Hell und einladend wirkt sein Atelier beim Goldacher Kreisel. In der ehemaligen Velowerkstatt seines Vaters hat er sich ein hübsches Künstleratelier eingerichtet.

Popmusik erfüllt den Raum akustisch. Erst als die Türe ins Schloss fällt, bemerkt Jonny Müller, dass jemand ins Atelier eingetreten ist. Er legt den Pinsel weg, wischt sich die graue Farbe von den Fingern. Sein weisses Überziehhemd enthält rote Spuren seiner Malerei. Nach kurzem Rundgang durch den Dachstock bewegen wir uns wieder in die von Popsound eingenommene Künstlerwerkstatt. Hier ist Müller derzeit stark mit dem Thema Musik beschäftigt. «Wenn ich grosse Flächen male, höre ich dazu immer Radio», erzählt er. Ist aber Kreativität gefragt, schaltet er das Radio aus. Oder er mixt sich seine eigenen Musik-CDs zusammen, die ihn dann bei der Arbeit inspirieren.

Der Skulpturen-Wettbewerb gibt Jonny Müller Gelegenheit, sich mit Musik und Metall auseinander zu setzen. Bewusst hat er darauf verzichtet, ein mechanisches Gebilde la Tinguely oder Luginbühl zusammenzuschweissen. Nein, er wollte nichts nachahmen. Ihm schwebte vor, die Instrumente zu feinem Korn zu verschreddern. Eine Sanduhr hätte daraus werden sollen. «Zeit» und das Jubiläum - das hätte zusammengepasst. Doch sein Vorhaben scheiterte: Er fand keine passende Schreddermaschine. So kam er auf die Idee, den Instrumenten ihre hübschesten Teile auszusägen. Mundstück oder Tastenknöpfe legte er in eine speziell dafür geformte «Musicbox». Auf dem Deckel dieser Box befestigt er die CD, die er bei dieser Arbeit gerade anhörte. Mit verschiedenen Blechteilen gestaltet er dann auch Skulpturen. Einzelne Blechteile zerstückelt er und legte diese ebenfalls in eine Musicbox. Obwohl er selber lieber Bowie, Cocker und Beatles hört, verspürt Künstler Jonny Müller keinerlei Berührungsängste zur Stadtmusik. «Eine Dorfmusik gehört zu unserem Kulturgut», sagt er, offen für alle musikalischen Richtungen. Er ist sich bewusst, dass die Stadtharmonie Eintracht Rorschach nicht irgendeine, sondern eine schweizerische Spitzen-Blasmusik ist. Und dass «diese Musigen nicht stehen geblieben sind!». Was für ihn ohnehin am meisten zählt: die Professionalität. «Egal, was eine Musikformation auch spielt, sie soll das spielen, was sie kann.» Und so will er es auch als Künstler halten.

Ausstellung

In der Art-Galerie Rorschach sind am 29. November alle Werke des Skulpturen-Wettbewerbes ausgestellt. Am Wettbewerb der jubilierenden Stadtharmonie Eintracht machen sieben Kunstschaffende mit. Es sind: Peter Baumgartner, Peter Bosshart, Romain Helfer und Jonny Müller (alle Goldach), Olaf Erne, Staad, Erwin Moser, Abtwil, und Elisabeth Galliker, Altenrhein. Die Werke sind käuflich.

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